23. April 2026

SterniPark nimmt Abschied

Jugendhilfe

Nach dem tragischen Unglück am Ostersonntag, das ganz SterniPark zutiefst erschüttert hat, nimmt SterniPark am 23. April 2026 Abschied von Nasrin, Hira und Alana.


SterniPark Geschäftsführerin Leila Moysich bedankt sich in einer persönlichen und bewegenden Ansprache, besonders bei den Ersthelfern, bevor zum Abschluss der Trauerfeier unzählige, bunte Luftballons in den Himmel steigen:

"Liebe Trauergäste,

wir nehmen heute Abschied von Nasrin, Hira und Alara in der St. Laurentius Kirche, dem Mittelpunkt von Satrup. In Satrupholm im SterniPark waren die Verstorbenen in den letzten Monaten zur Ruhe gekommen und heimisch geworden, bevor sie am Ostermorgen so tragisch aus dem Leben gerissen worden sind.


Bevor ich an die Verstorbenen erinnere, möchte ich mich jedoch an die Lebenden wenden – an die Feuerwehrleute, die Sanitäter, Ärzte und weiteren Rettungskräfte, die am Unglücksort alles Menschenmögliche versucht haben, um Leben zu retten und an die ersthelfenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von SterniPark.
Leila Moysich, SterniPark Geschäftsführerin

Bevor ich an die Verstorbenen erinnere, möchte ich mich jedoch an die Lebenden wenden – an die Feuerwehrleute, die Sanitäter, Ärzte und weiteren Rettungskräfte, die am Unglücksort alles Menschenmögliche versucht haben, um Leben zu retten und an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von SterniPark, die den Sterbenden in den letzten Minuten ihres Lebens die Hand gehalten haben.

In Ihrer und Eurer Erinnerung bleiben Bilder, die belastend sind, nicht so schnell verblassen und ohne Hilfe schwer zu verarbeiten sind. Wir wünschen allen von Herzen, dafür einen guten Weg zu finden. Wir sind froh über die Hilfe auf diesem Weg durch die Seelsorger, die am Unglückstag sofort vor Ort waren, und die erfahrenen Menschen aus verschiedenen Diensten und Berufen, die jetzt Bewohnerinnen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begleiten.

Ihr und Euer Einsatz vor Ort war und ist keine Selbstverständlichkeit, er verdient höchsten Respekt, Wertschätzung und Dankbarkeit."

Es ist eine Errungenschaft, dass die deutsche Jugendhilfe gerade für diese Mädchen Hilfe anbietet, wie SterniPark sie in Satrupholm leisten kann und die Perspektive – was ich ohne Überheblichkeit sagen kann – in einem Land zu leben, in dem Frauen und Männer die gleichen Rechte haben, Frauen so leben können, wie sie es möchten und für richtig halten.
Leila Moysich, SterniPark-Geschäftsführerin

Wir stehen in Ihrer und Eurer Schuld.

Mädchen sind unter den unbegleiteten Minderjährigen, die nach Deutschland kommen, eine kleine Minderheit. Dabei gibt es für sie weit mehr gute Gründe, ihre Heimat zu verlassen, Nasrin wurde in einem Land geboren, in dem es keine Menschenrechte für Frauen gibt. Sie werden als Kind an ihren Genitalien verstümmelt, ihnen wird der Zugang zur Bildung verweigert und sie werden als Kinder zwangsverheiratet. Nasrin berichtete, dass ihr Vater ihr zumindest das Letztere ersparen wollte und ihr deshalb die Flucht nach Europa ermöglicht hat.

Es ist eine Errungenschaft, dass die deutsche Jugendhilfe gerade für diese Mädchen Hilfe anbietet, wie SterniPark sie in Satrupholm leisten kann und die Perspektive – was ich ohne Überheblichkeit sagen kann – in einem Land zu leben, in dem Frauen und Männer die gleichen Rechte haben, Frauen so leben können, wie sie es möchten und für richtig halten.

Dass in dieser Hinsicht aber auch bei uns noch nicht alles in Ordnung ist, hat Hira erlebt. Sie war Opfer von Männergewalt, die es in diesem Lande immer noch gibt. Obwohl in Deutschland geboren, war sie wie Nasrin auf der Flucht und Satrupholm war der Ort, an dem sie sich endlich sicher fühlte mit ihrem gerade geborenen Kind Alara. Alara schließlich war ein kleiner Mensch, der gesundheitlich gehandicapt war und großer Aufmerksamkeit und Fürsorge bedurfte, die sie von ihrer Mutter und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im SterniPark erhielt.

Meine Kolleginnen haben in den letzten Tagen aufgeschrieben, was ihnen von Nasrin, Hira und Alara in Erinnerung bleibt.

Nasrin ist in diesen Darstellungen ein junges Mädchen, das sich langsam an Freiheit gewöhnte, daran, dass sie ernst genommen wurde, nach ihrer Meinung und nach ihren Wünschen gefragt wurde und diese auch Berücksichtigung fanden. Ein Mädchen, das mit den anderen Mädchen auf dem Hof unbeschwert fröhlich sein konnte, ganz besonders in den letzten Tagen vor ihrem Tod. Sie war begierig in die Schule zu gehen und die Sprache des ihr noch neuen Landes zu lernen.

Nasrin, Hira und Alara waren auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben als Frau. Der Weg war vielleicht noch lang. Wir hätten sie gern noch weiter darauf begleitet.
Leila Moysich, SterniPark Geschäftsführerin

Zu Hira wird die große Verbundenheit mit ihrer Tochter Alara hervorgehoben, die – wie wir wissen – bis in den Tod anhielt. Es gibt ein am Ostermorgen aufgenommenes Foto von ihr mit Alara auf dem Arm, beide fröhlich lachend in Erwartung eines schönen Tages, der für sie so fürchterlich endete. Dabei war es für Hira nicht immer leicht, ihren eigenen Ansprüchen an die Mutterrolle gerecht zu werden. Manchmal – das kann man sagen, ohne etwas Böses über sie zu berichten – wurde es ihr auch zu viel. Solche Situationen gibt es. Hira hat dann stets und dankbar die ihr angebotenen Hilfe angenommen. Dafür war und ist SterniPark da.

Nasrin, Hira und Alara waren auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben als Frau. Der Weg war vielleicht noch lang. Wir hätten sie gern noch weiter darauf begleitet.

Wir sind beschämt, dass wir Nasrin, Hira und Alara den Schutz, den sie bei uns gesucht haben, nicht geben konnten. Das lastet auf SterniPark. Und daraus erwächst die Verpflichtung, unsere Arbeit noch sorgfältiger zu machen, noch achtsamer, noch zugewandter zu sein.

Die Fotos der letzten Tage vor Ostern zeigen Nasrin mit ihren Freundinnen fröhlich lachend in Glücksburg. An Hira erinnern wir uns teetrinkend, angeregt und zuversichtlich im Gespräch, das sie suchte, aufgeschlossen zu ihrem Gegenüber mit einer schlafenden Alara auf dem Schoß.

Wir sollten uns in der Erinnerung Nasrin, Hira und Alara – und da lehne ich mich an Albert Camus an – stets als glückliche Menschen vorstellen.